Analyse und Modellierung von Habitatwahl und -nutzung des global bedrohten Steppenkiebitzes (Vanellus gregarius)

Johannes Kamp

Der Bestand des in den eurasischen Steppen endemischen Steppenkiebitzes (Vanellus gregarius) nahm im Verlauf der letzten beiden Jahrhunderte stark ab. Eine extreme Beschleunigung des Rückgangs im südrussisch-kasachischen Verbreitungsgebiet erfolgte zwischen 1991 und 2004 und führte zur Einstufung der Art in die höchste Gefährdungskategorie (CR, „critically endangered“) der Roten Liste der global gefährdeten Tier- und Pflanzenarten (IUCN 2004). Gegenwärtig sind nur noch drei Brutplätze mit insgesamt ca. 150 Brutpaaren in Kasachstan bekannt, Bestandsschätzungen für 1989 geben noch 5.000 Brutpaare an. Die Art ist auf kurzrasige, eher trockene Flächen als Brutlebensraum angewiesen (dort leichte Erreichbarkeit von Arthropodennahrung und leichtere Verteidigung der Bodennester gegen Prädatoren). Diese Areale fanden sich bis zum Ende der sowjetischen Ära v. a. im Bereich von Wurfstellen der Saiga-Antilope (Saiga tatarica) und auf Weideland der Schaf- und Rindersowchosen (Staatsfarmen). Nach 1991 nahm durch illegale Massenabschüsse der Saiga- Antilope und einen Rückgang der Viehbestände in Russland und Kasachstan die Beweidung extrem ab und führten zur Änderung der Vegetationsstruktur in vielen (ehemaligen) Brutgebieten des Steppenkiebitzes. In diesem Projekt werden die Ansprüche im Bruthabitat quantitative ausgewertet.

Kamp, J., Sheldon, R.D., Koshkin, M.A., Donald, P.F. & R. Biedermann: Post-Soviet steppe management causes pronounced synanthropy in the globally threatened Sociable Lapwing Vanellus gregarius.
Ibis 151, 452–463 (2009)PDF
Kamp, J.: Forschung an einer weltweit bedrohten Vogelart: Der Steppenkiebitz.
Der Falke - Journal für Vogelbeobachter 4/2008.